Keine Schleppjagd „Auf der Senne“ in der Saison 2015

Stattdessen ein wahres Dokument aus alten Zeiten

Die Jagd auf der Senne im Jahr 2014 hinter der Rheinisch Westfälischen Meute.

Die Jagd auf der Senne im Jahr 2014 hinter der Rheinisch Westfälischen Meute.

Vor über 100 Jahren: In einem der Briefe an ihre Mutter beschreibt die Autorin Lilli Moulton Ankunft und Aufenthalt zur Jagd in Lippspringe (seinerzeit war es noch kein Kurort), und es geht teilweise um die traditionelle Jagd auf der Senne. Intensiv erläutert sie ihre Beobachtungen. Lesen Sie hier Auszüge ihrer Eindrücke, die den Leser auch ohne Wiedergabe der vorausgehenden Beschreibung schnell ins Geschehen führen.

„Am nächsten Tag ritten die Herren (zwanzig an der Zahl) um sieben Uhr los, alle prächtig beritten auf englischen Hunters, mit Massen von Pferdeknechten und Jagdgehilfen sowie mit zahlreichen Jagdhörnern und den Hunden. Wir Damen folgten ihnen nach. Die Hundeführer waren bereits am Treffpunkt auf dem Hügel. Sie ließen bald einen Fuchs los, und die Hunde folgten ihm heulend und bellend, und dann im verrückten Ritt die Reiter. Und wir warteten in den Kutschen, traurig, dass wir nicht mit ihnen reiten konnten.

Die roten Jacken sahen gut aus vor dem Hintergrund; die Hunde, alle vom gleichen Schlag, rannten gruppenweise, und ihre Schwänze ragten steil in die Luft. Aber während unsere Augen ihnen folgten, raste der Fuchs direkt auf uns zu, eine Haaresbreite an unseren Rädern vorbei. Natürlich verloren die Hunde die Spur, und es gab einen allgemeinen Stillstand, bis ein neuer Fuchs ausgesetzt wurde, und dann hetzten sie aufs neue los. …

… Ich habe am letzten Abend unseres hiesigen Aufenthaltes eine Gesangsvorführung gegeben. Das Klavier, das zu der Jäger-Unterkunft gehört, ist so alt wie der ‚alte Herr‘ *. Die Tasten waren durch Alter und falschen Gebrauch gelb, und falls es jemals gestimmt war, so hatte es das ganz vergessen und war jetzt völlig verstimmt.

Ich habe die Töne herausgegriffen, die noch gut waren, und indem ich Gounods ‚Biondina‘ mit lauter Stimme sang und die schneidige Begleitung mit Genuss spielte, hielt ich mich selbst wach. Aber die müden Jäger, die den ganzen Tag in Sattel zugebracht hatten, waren so erschöpft, dass nicht einmal eine Blaskapelle sie lange genug hätte fesseln können, um ihre Augen offen zu halten.“

Bis hier hätte die Beschreibung bereits ihren Sinn erfüllt. Die Pointe aber folgt noch:

„Am nächsten Tag sagten wir unseren Gastgebern Lebewohl und dankten ihnen für den genussvollen Aufenthalt. Ich fragte mich, falls die Herren sich deswegen ebenso betreten fühlten wie wir, wer eigentlich der Verursacher war.

Wie auch immer, sie waren höflich genug zu sagen, dass sie niemals etwas so genossen hätten wie unseren Besuch und besonders meinen Gesang. Was ein Humbug! Ich war höflich genug, nicht zu sagen, dass ich niemals etwas so wenig genossen habe wie das Singen vor schlafmüden Fuchsjägern.“

*) Mit dem alten Herrn meint sie den Graf von Westphalen.

Quelle: In the Courts of Memory
Der Link bezieht sich auf eine Rezension des The Spectator von 1912
Gefunden in der Informationsreihe des Heimatvereins Bad Lippspringe e.V.
„Wo die Lippe springt“ – Ausgabe 10, September 1992

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Über Helga Koch

Foto-Biografin Inhaberin von MEMORIES and MOMENTS in Ostwestfalen-Lippe. "Macht was draus - damit was bleibt."
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