Lesen Sie hier Auszüge meiner Eindrücke über einen Gestüter und einem charmanten Landbeschäler.
Von der hohen Kunst, auf dem Pferderücken mit Komik, Karikatur und Poesie gleichzeitig zu begeistern.
In der Rolle des Pferde züchtenden Landwirts probiert er auf dem „Dicken“ schwierigste Dressur-Lektionen, und zwar „so lange, wie ich dat will … – oder wie er will“.
Unbekümmert reimt der Reiter: „Hast du nicht viel Kraft im Bein, muss der Sporn wat länger sein.“
Und den Reitlehrer daheim persiflierend heißt es bei ihm kurz und bündig:
„Mit harter Hand führn Paraden meist zum Stand.“
Weisheiten und Persiflage
Seine Parodien auf die Welt der klassischen Reitlehre sind fester Bestandteil im Programm der Warendorfer Hengstparade. Im Landgestüt Warendorf begann die Komiker-Karriere von Gestüter Georg Frerich, der als August Schulte Quaterkamp auf einem geduldigen Kaltbluthengst mit dem stürmischen Namen Hurrican mittlerweile das Publikum über Westfalen hinaus begeistert.
In den Arenen des Pferdesports vom ländlichen Turnier über Aachen bis nach England wird sein außergewöhnliches Schaubild belacht und beklatscht.
Ein Kaltblüter mit besonderem Charme: Hurrican
Foto: Helga Koch
Georg Frerich hat es geschafft, seine persönlichen Beobachtungen in einer treffenden Weise zu karikieren, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. In schöner Wahrheit bringt der Komiker mal just auf den Punkt, was den Pferdefreund täglich bei seiner Dressurarbeit wurmt:
„Da muss mal so’n richtigen Kerl kommen und den richtig packen, dann kommt der auch.“ Mit überzogenen Beispielen macht er die etwas rätselhafte Ausdrucksweise aus der Welt der Pferdeleute verständlich. Und was der Anfänger für reiten hält, heißt bei Schulte Quaterkamp gnadenlos:
„Ein Reiter, der’s nicht richtig kann, wärmt meistens nur den Sattel an.“
Das Reitervolk, bei seinem mit Ernst betriebenen Sport wahrlich nicht verwöhnt mit Komikern dieser Klasse, geht begeistert mit. Vor lauter Hinhören und Tränenwegwischen vergisst es das Hingucken. Es weiß genau, wovon er spricht, wenn Frerich sagt:
„Den kannste hin- und herschieben wie ’ne Schippkarre“, und dabei lässt er Hurrican tatsächlich anmutig seitwärts treten. Bei aller Komik kann sich das optisch runde Ergebnis eines sorgfältigen Trainings sehen lassen. Genau darin liegt sein Erfolg.
Quaterkamp und Hurrican in Aktion
Foto: Kaup
Die Westfalen sind so
Als einer der dienstältesten Gestüter nutzt er seinen Arbeitsplatz auf der Deckstelle dazu, Züchter und Reiter zu beobachten. Sie liefern die Bausteine für seine Ideen. „Die Figur ist erdacht. Aber die Situationen gibt es wirklich. Und ich trage sie so vor, wie diese Menschen das machen würden. Man soll nicht meinen, dass die Westfalen dumm sind, nur weil sie mal nicht ganz so schnell aus sich rauskommen“, zeigt er nachsichtig Verständnis für seine Landsmänner.
Wahrheit und Dichtkunst
An seinen ersten Reim erinnert er sich gut:
„Die Hinterhand sich besser regt, wenn man auf das Schwänzchen schlägt.“
Er kam ihm beim Kutschefahren in den Sinn, einfach, weil er wahr ist. Eine weitere Wahrheit fiel ihm ein, als er jemanden auf Schlaufzügeln reiten sah. Frerich dachte sich erst: Joo. Und dann: Nee. Daraus wurde:
„Ein Reiter stieß an seine Grenzen und zog darauf bald die Konsequenzen,
er dachte sich, ich bin nicht dumm,
ich mach den Hals mit Schlaufen krumm.“
Er wünscht sich, dass der Reiter die Ironie dahinter versteht. „Morgens ist mir was eingefallen, abends hab ich’s hingeschrieben. Plötzlich reimte sich dat“, ist er selbst überrascht.
Der gebürtige Herzebrocker will nichts davon wissen, seine Kunst mit einem Heinz Erhardt zu Pferde zu vergleichen, wie ihn die Presse mittlerweile bezeichnet. Seine persönlichen Vorbilder sind „Die Bullemänner“, das Duo aus Selm, das mit seinem Ethno-Kabarett den typischen Westfalen an sich karikiert. Ähnlichkeiten oder gar politische Bezüge sind ihm fremd: „Schulte Quaterkamp ist Schulte Quaterkamp. Hippologisch-poetisch-rustikal-philosophisch. Fertig.“
Sohn des legendären Vererbers Hoppeditz
Die Auftritte bei der heimischen Hengstparade und dem Bundeschampionat in Warendorf bleiben seine bevorzugten Stationen. Denn hier hat er sein Publikum, das Kopf steht, wenn Quaterkamp die „Ausbildung von der Remonte bis nache dicke Tour hin“ vorstellt. Wichtig ist – wie im wahren Grand Prix auch – dass das Pferd fit bleibt. Davon ist auszugehen, denn die Auftritte zwischen den Deckeinsätzen sind für den Dicken sicherlich eine nette Abwechslung. Hurrican, ein Sohn des Rheinischen Kaltbluthengstes Hoppeditz, bleibt auch dann cool, sobald sein Reiter verständig kommentiert:
„Wenn er versammelten Schritt gehen soll, tut er immer so, als wenn er krank ist.“
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Damit was bleibt.
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