Ich hätte da mal ‘ne Idee …

Zum Welttag des Buches

Sonntagabend im ICE Berlin nach Köln. Überfüllte Wagen mit müden Berlinbesuchern, aufgekratzten Touris, routinierten Pendlern (das sind die mit den weißen Ohrstöpseln). Am Tisch gegenüber ein unaufhörliches Geschnatter. Unwichtige Handygespräche zwingen zum Mit- und Abhören (Ja, ich bin’s – kannste mich hören? – hallo?). Von wegen „Ruhezone“. Kein Raum für Ideen-Gedanken oder gar für ein Nickerchen. Ein Paar steigt zu. In Hannover. Sie nehmen ihre Plätze ein, packen Bücher mit Lesezeichen aus, lesen. Schweigend.

Leser sind so.

Eine Chance für die ewig in der Kritik stehenden Deutschen Bahn: Wie wär’s mit einer dritten Klasse  – nur für LESER?

Berlin Hauptbahnhof

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Damit was bleibt.

 

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Die Nikolaus-Schleppjagd im Fotobuch

50 Jahre Warendorfer Jagdreiter

„So geht’s nicht!“ heißt es beim Jagdgericht in Greffen zum Ende der Saison. Und, nein, hier wird ja auch nicht der Nikolaus gejagt. Traditionell ist sie, die Nikolausjagd, die in dem kleinen Ort an der Ems zwischen Gütersloh und Warendorf geritten wird. Und legendär ist das anschließende Jagdgericht, das mit dem lautstarken Motto #Sogehtsnicht jeden Angeklagten erzittern lässt.

Seit 1968 wird die Nikolaus-Schleppjagd von den Warendorfer Jagdreitern veranstaltet, zusammen mit den Foxhounds der Warendorfer Meute. Nur zweimal musste sie ausfallen. Welch großartige Tradition!

Die Nikolaus-Schleppjagden auf 72 Seiten im Pixum-Fotobuch, Hardcover, Format 15 x 19 cm.

„Diese Jagd ist ein Pflichttermin“, erklärt mir Jagdreiter Theo kurzum während des Eintrags ins Jagdbuch beim Stelldichein an diesem ungemütlichen Sonntagmorgen, an dem plötzlich der Winter hereingebrochen war. Selbst für das flache Münsterland herrscht ein Wetter zum Weglaufen. Aber sie erscheinen, die tapferen, die unentwegten, und sie steigen in den kalten Sattel, egal, ob es regnet oder schneit, was um den 1. Advent herum schon mal vorkommen kann.

Jagdreiten zum Genießen: Herrliche Momente zwischen den Schleppen.

Es geht auch ohne e. V.

In der Jagdreiterei haben sich im Lauf der Jahre neben den Vereinen zwanglose Cliquen gebildet, die auch ohne Vorstand und Vereinskasse und e. V.-Gedöns etwas auf die Beine stellen. Ein besonders langlebiges Beispiel dafür sind die Warendorfer Jagdreiter. Der grandiose Reiterball Anfang Februar 2018 in Harsewinkel bildete den Auftakt für das Jubiläumsjahr zum 50-jährigen Bestehen.

Die Schleppe an der Sandkuhle wird stets zweimal geritten. Begleitet wird die Jagd zünftig im Planwagen.

Zu diesem Anlass habe ich von den jüngsten drei Jahren ein Fotobuch gestaltet, das neben den sportlichen Bildern die Momente des Einzugs des Nikolaus mit seinem Knecht Ruprecht zur berühmten Pause in der Sandkuhle zeigen. Eingefangen ist die ehrfürchtige Stimmung, wie die Zuschauerkinder aufgeregt auf das Erscheinen der Kutsche warten, ihre ehrfürchtigen Blicke beim Empfang der Schoko-Nikoläuse. Aber erst rasen noch die Hunde auf der Schleppe und die nachfolgenden Reiter vorbei.

In der Pause stimmt dann endlich das von den Reitern und Bläsern gemeinsam geschmetterte Lied „Nikolaus, komm in unser Haus“ ein auf die fröhliche Weihnachtszeit.

Halali-Halali!

Jedes Jahr kommen neue Reiter aus der Region hinzu, um die letzte Jagd der Saison zu reiten, wobei sich bei allem Bemühen um diszipliniertes Reiten so mancher vor dem Hohen Jagdgericht als Angeklagter wiederfinden kann, was wiederum hier nachzulesen ist: www.foto-biografien.de/blog/?p=3776

Halali auf dem Hof Meier zu Greffen

Gute Stimmung ist stets garantiert, vor dem Abritt, aber eher dann doch in der Pause und erst recht nach dem Halali. Deswegen machen die das, die Warendorfer Jagdreiter. Und deswegen gibt’s dieses Erinnerungsbuch. Weitere Exemplare, auch mit persönlichen Fotos, lasse ich auf Anfrage gern nachdrucken.

 

Zum Durchblättern und zum Erinnern hier nochmal der Link bei Pixum. Eine Registrierung ist nicht erforderlich.

https://as.photoprintit.com/web/85001291/showPublishedPhotoBook.do?ehash=b434b6ced6f35a745cb4c5c6581302a9

Gratulation zum Fünfzigsten!

Damit was bleibt.

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Nach der Hubertusmesse ins Jagdfeld

Die Geschichte hinter der Foto-Dokumentation

DEM HIMMEL ENTGEGEN

So etwas hatte Master Stephan Geldsetzer von der Cappenberger Meute in seiner Laufbahn noch nicht erlebt: Zwischen Hubertusmesse am Schloss Wendlinghausen und dem Aufbruch zur Schleppjagd erteilte sie der Equipage und den Hounds Gottes Segen, anschließend setzte sich die Pastorin auf ihr Islandpferd „Frau F.“, genannt Effi, und galoppierte im Jagdfeld durch das lippische Bergland, was das Zeug hielt.

Seit nunmehr zehn Jahren hält sie den Gottesdienst zur Eröffnungsjagd des Vereins Lipperland Meute in Dörentrup im Kreis Lippe. Ein längst fälliger Anlass für die Pastorin und passionierte Reiterin Sabine Hartung, endlich mal selbst mitzureiten. Den Reitdress trug sie bereits unter dem Talar, den sie nach der Messe ablegte, und forsch in den Sattel ihrer selbst ausgebildeten Stute stieg, um ihre erste Schleppjagd zu reiten.

Kurz darauf beschloss sie, ihre Freude an der Jagdreiterei mit dem Bezug zu ihrem Beruf und ihrem Leben mit den Pferden in einem Fotobuch festhalten zu wollen. Mit Bildern, die in jedem Detail wichtig sind, weil sie die Erinnerungen an diesen Tag wachhalten, damit selbst sie mit ihrem ausgeprägten Talent für Rhetorik und Ausdruck diese Momente nicht vergisst.

Gestaltet mit Fotosoftware von Pixum, Hardcover 15 x 19 cm, 34 Seiten.

Für das Fotobuch suchten wir aus meinem Archiv die schönsten Momente aus, die in Zusammenhang mit den Hubertusmessen der vergangenen Jahre standen. Der Titel für das Buch kam ihr spontan: Dem Himmel entgegen. Besonders wichtig waren der Pastorin die musikalischen Begleiter der Parforcehorngruppe Gute Jagd Bielefeld, deren Klänge sie ja nun life während der Jagd erlebt hatte.

Während des Vorgesprächs überraschte sie mich, als sie sich an ein besonderes Foto erinnerte, das in einem meiner früheren Presseberichte veröffentlicht wurde. „Dieses Foto drückt alles aus – meine Arbeit, meinen Glauben, mein Horsemanship. Das bin ich. Das ist das wichtigste Motiv für das Buch“, freute sie sich.

Ein bedeutsames Foto: Es zeigt die Pastorin mit der Bibel und einem Hackamore. Joachim von Reden ist Gastgeber der Eröffnungsjagden auf Schloss & Gut Wendlinghausen.

Ich bin noch heute von den Socken und muss zugeben, dass ich das mindestens 5 Jahre alte Foto gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Zweifellos ist diese kleine Geschichte wieder einmal Beleg dafür, welch tiefe Bedeutung ein einziges Foto für jemanden haben kann, die die Fotografin im Moment der Aufnahme natürlich nicht erahnen kann. Der neugierige Betrachter wird es beim Durchblättern des Buches unter diesem Link finden.

Nicht die Menschen und Pferde auf den Fotos, sondern die Fotos selbst spielen hier die Hauptrolle. Sie sind der Beweis dafür, dass es sich um eine Veranstaltung der Freude am Sport und der Tradition handelt, zu der man sich einmal im Jahr an diesem Ort trifft. Wo die Klänge aus den Es-Hörnern ertönen, die zur Schleppjagd gehören wie das Geläut der Hounds und das verheißungsvolle Hufgetrappel der Jagdpferde auf dem Kopfsteinpflaster.

Und ein weiterer Moment spiegelt dieses Besondere wider, und zwar auf Seite 14 im Buch. Im abgelaufenen Lutherjahr küre ich es zu meinem persönlichen Foto des Jahres und ich wünsche mir, dass der Betrachter all das sieht, was es zeigt. Die Demut im Gesicht der beiden Pferde rechts, das brave Abwenden des Hundes im Vordergrund sowie die zugewandte Präsenz der Pastorin im Schlosshof. Aus fototechnischer Sicht nicht gerade ein Highlight, aber es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Vor der Schleppjagd erhalten die Equipage und die Hounds Gottes Segen.

Nach dem tagelangen Regen erstrahlte der Sonntag in herrlichstem Sonnenschein und die Eröffnungsjagd verlief trotz des unwirtlichen Bodens in dem hügeligen Gelände Gottseidank reibungslos und alle Teilnehmer erreichten heil und glücklich das Halali.

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Damit was bleibt.

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